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Der Unterschied liegt im Detail.

Sicherheit wird im Bau- und Vermessungswesen in Millimetern gemessen. Das erfordert von Vermessungsingenieuren fundiertes Wissen, starke Persönlichkeit und jede Menge Erfahrung. Wir stehen für die Exaktheit und Zuverlässigkeit der von uns ermittelten Vermessungsdaten ein. Verlassen Sie sich ruhig darauf. Unser Unternehmen hat in seiner Geschichte die Vermessungsleistung für zahlreiche renommierte Projekte übernommen. Überzeugen Sie sich selbst!

Vermessung von Mobilfunkanlagen:

Projektdaten: 

Auftrag:              Bestandsvermessung von Mobilfunkanlagen
Auftraggeber:     diverse
Zeitraum:          seit April 2011

Beschreibung: 

Für Planaktualisierungen, statische Prüfungen und Berechnungen, sowie für Umplanungsmaßnahmen an Funkmastanlagen benötigt der Auftraggeber Bestandsaufnahmen der Antennenträger, der Kabelwege samt Zuordnung, der Antennenbestückung, des Stahlbaus usw.. Hierzu wird der Antennenträger samt Peripherie von uns vor Ort vermessungstechnisch aufgenommen, sowie eine detailierte Fotodokumentation durchgeführt.

Je nach Standortgegebenheiten werden von uns hierfür reflektorlos messende Tachymeter, Distomat und Maßband oder auch ein Wanddickenmessgerät eingesetzt. Bei Maststandorten ist eine Besteigung obligatorisch, um Detailaufnahmen des Kabelverlaufs und der Antenneninstallation durchführen, sowie die Durchmesser am Mastzopf und -stoß bestimmen zu können.

Die erfolgreiche Teilnahme an einem Steiglehrgang für Höhenarbeiter, samt Ersthelferausbildung sind hierfür ebenso Voraussetzung, wie die betriebsärztliche Untersuchung G41. 

Aufgaben:

Unsere Aufgaben beinhalten u.a.

  • die Bestandserfassung des Antennenträgers
    (Mobilfunkmast oder Dachstandort)
  • die Aufnahme der Antennenbestückung
  • die Aufnahme der Kabelwege
  • die Einmessung des Stahlbaus (insbesondere bei Dachstandorten)
    für statische Berechnungen und Beurteilungen
  • Geländeaufnahme bei Standortneuplanungen

 

Anhand einer Fotodokumentation werden Details, Schlüsselstellen, aber auch der Bauzustand des Antennenträgers festgehalten. 

Die Auswertung erfolgt teilweise als Höhenkotenplan im CAD (z.B. bei Neuplanungen), oder aber als Handrisse und Detailskizzen.

Bestandsvermessung von Schiffsschleusenanlagen:

Projektdaten: 

Auftrag:           Aufnahme der Schleusentorgeometrien an 8 Schleusenanlagen
Auftraggeber:   DSD Noell GmbH
Zeitraum:          2007-2010 

Beschreibung:  

Im Zuge des Austausches der Schleusentore an mehreren Schiffsschleusenanlagen entlang des Main-Donaukanals wurde vom Hersteller eine vermessungstechnische Aufnahme des Altbestandes benötigt, insbesondere des Fahrweges der Hubtore inkl. Führungsschienen und Laufflächen, der Geometrie der Kammernischen und Schleusenwände, sowie der exakten Lage des Tores im geöffneten und geschlossenen Zustand.

Weiterhin musste die Istlage der Seil- und Kettenachsen bestimmt und zueinander in Bezug gebracht werden. Hierfür wurde eine Aufnahme der beidseitigen Hubmaschinenanlagen inklusive Seilrollen in Lage und Höhe notwendig.

Die von uns anzugebenden Spannmaße und lichten Weiten mussten Genauigkeitsanforderungen von +- 3 bis 4mm genügen.

Messkonzept: 

Da eine Totalsperrung der Schleusen nicht möglich war, musste ein Messkonzept entwickelt werden, welches einerseits die hohen Genauigkeitsanforderungen des Auftraggebers erfüllen konnte und andererseits eine Aufnahme im laufenden Schleusenbetrieb ermöglichte. Da auch in verkehrsschwachen Zeiten kontinuierlich mit Schleusungen gerechnet werden musste, schied eine Trockenlegung der Schleusenkammer von vornherein aus, so daß eine Aufnahme letztendlich nur von der Schleusenkrone aus pratikabel war.

Eine vorab durchgeführte Vermessung der Dammkronen sollte weiterhin Aufschluss darüber geben, inwieweit sich deren Lage bei geleerter und gefüllter Schleusenkammer verändert. Es musste ausgeschlossen werden, daß Lageänderungen der Dammkrone aufgrund unterschiedlicher Wasserstände die Aufnahme der Schleusentore verfälschten. Nach Auswertung der Messdaten zeigte sich, daß die Auslenkung der Dammkronen deutlich über der angestrebten Messgenauigkeit lag, was eine Aufnahme der Schleusentore bei konstantem Wasserstand zwingend notwendig machte. Wir entschieden uns für eine Vermessung bei Unterwasser, da ja auch die Lage des Tores in geschlossener und offener Stellung bestimmt werden musste (was bei einem Hubtor natürlich nur bei Unterwasser möglich ist). 

Eine weitere Problematik ergab sich aus den Steilvisuren aufgrund der Kammertiefe von 30 Metern. Im schlimmsten Fall wurde hierbei die optische Zielachse vom Alhidadensockel abgedeckt, wodurch eine Anzielung / Messung nicht mehr möglich war. Bei einer ersten Ortsbegehung wurden hierzu die maximalen Vertikalwinkel ermittelt, die für eine Vermessung von der Dammkrone aus notwendig waren. Die Gerätestandpunkte wurden nun so gewählt, daß einerseits die notwendigen Vertikalwinkel der Visuren innerhalb des Messbereichs der eingesetzten Tachymeter lagen und andererseits die Anzahl der Gerätestandpunkte minimiert wurden.

Da mit bis zu 6 Gerätestandpunkten pro Schleuse zu rechnen war, musste ein hochgenaues, die Baumaßnahme umspannendes Festpunktfeld angelegt werden. Wir entschieden uns bei der Vermarkung für die dauerhafte Anbringung von Reflektorfolien, was eine berührungslose Einpassung, sowie bei Bedarf eine schnelle Überprüfung der Geräteorientierung ermöglichte. Die Berechnung der freien Stationierungen erfolgte über Helmert-Transformation. Der mittlere Punktfehler der Einpassung betrug hierbei durchweg <= 1mm.

Ablauf der Vermessung: 

Aufgrund der Schleusungen waren sowohl die Kammer als auch alle Führungs- und Laufschienen der Tore nicht nur permanent feucht, sondern auch mit Moos und Lehm verunreinigt. Verbunden mit den in der Kammer vorherrschenden, diffusen Lichtverhältnissen erschwerte dies eine exakte Identifizierung der Messpunkte vom Tachymeter aus. Auch eine reflektorlose Entfernungsmessung schied somit aus, da Fehlmessungen aufgrund der ungünstigen Bedingungen quasi vorprogrammiert waren. Es war deshalb unumgänglich, die Messpunkte direkt aufzuhalten, um damit einerseits eine exakte Messpunktidentifizierung zu ermöglichen, und andererseits auch schleifende Anzielungen zu vermeiden.

Da der Einsatz eines Bootes zum Anfahren der Messpunkte aufgrund der durchgängigen Vermessung bei Unterwasser sprichwörtlich "ins Wasser" fiel, blieb für das Erreichen der Messpunkte nur die für Wartungsarbeiten installierte Stahlleiter übrig. Dies stellte sich allerdings als schwieriger und anstrengender heraus, als erwartet. 

Aufgrund der Höhe und Ausgesetztheit der Leiter und der teils ungünstigen Lage der Messpunkte, die von unserem Vermesser die eine oder andere akrobatische Verrenkung abverlangt, war neben einer Portion Mut auch seine vorhandene Klettererfahrung von Vorteil. Für die zwingend notwendige Selbstsicherung wurde ein statisches Seil installiert, an dem der Vermesser seine Fallschutzvorrichtung einhakte. Die weiter entfernten Messpunkte auf dem unangenehm rutschigen Hubtordach erforderten hingegen eine zusätzliche, temporäre Sicherung mittels Bandschlingen und Prusik. Natürlich war auch das Tragen einer (vorzugsweise selbstaufblasenden) Schwimmweste Pflicht.

Bei der Messpunktbestückung entschieden wir uns für den Einsatz von Reflektorfolien, da diese sehr exakt am Messpunkt angelegt werden können. Der Prismenoffset von 0 ermöglicht zudem genaue Messergebnisse auch bei nur grob ausgerichteter Folie.

Auswertung: 

Im CAD wurden die einzelnen Aufnahmestandpunkte über die jeweilige Einpassung in das lokale Hauptfestpunktfeld zusammengeführt. Zur schnellen Unterscheidung der bis zu drei Messebenen pro Kammer, wurde bereits vor Ort ein gesonderter Punktcode vergeben, mit dem schließlich die Punkte während des Einspielens automatisiert auf die richtigen Layer unseres CAD- Systems übertragen wurden. Nun konnten die vom Auftraggeber gewünschten Spannmaße und lichten Weiten ermittelt und in den Vorlagenplan übernommen werden.

Die Abgabe erfolgte wiederum als CAD-Datei, sowie als PDF-Planplot und Werteliste.

Fazit:

Das interessante Vermessungsprojekt erforderte aufgrund der Vorgaben des Auftraggebers und der örtlichen Begebenheiten nicht nur eine gewissenhafte Planung und Vorbereitung, sondern auch ein gut durchdachtes Messkonzept. Da der laufende Betrieb der Schleusenanlage nicht unterbrochen werden durfte, war eine Aufnahme nur in den Zeitfenstern zwischen den Schleusungen möglich, was ein flexibles, schnelles, aber dennoch hochpräzises Arbeiten erforderte.

Aspire / Sports City Tower Project in Qatar:

Projektdaten: 

Auftraggeber:     Midmac - Six Construct J. V.
Architekt:            AREP, Paris
Bausumme:        140.000.000 Euro
Zeitraum:            2005-2007 

Beschreibung:  

Bei dem Aspire Tower (Sports City Tower) handelt es sich um das mit 300 Meter derzeit höchste Gebäude Katars, welches bei den im November 2006 stattfindenden Asienspielen die Asien-Flamme trug. Der Turm beherbergt neben einem 5-Sterne-Hotel auch ein Sportmuseum, ein drehbares Restaurant sowie ein in luftiger Höhe liegendes Schwimmbad.

Der Aspire Tower ist Teil der Khalifa Sports City, welche im Westen der Hauptstadt Doha erbaut wurde. Dort finden sich u.a. das Khalifa Stadion sowie die Aspire Sports Excellence mit einer der weltweit größten Sporthallen.

Der Aspire Tower besteht im wesentlichen aus einem 250 Meter hohen Betonkern mit einem Durchmesser zwischen 13 und 18 Meter, der in der Gleitschaltechnik betoniert wurde. Aussen wurden Stahlträger für die Nutzgeschosse montiert, die sich auf 5 Geschossgruppen verteilen. Eine konische Glasfassade, verbunden mit einer kühnen, 50 Meter hohen Stahlkonstruktion auf der Turmspitze verleihen dem Bauwerk seine endgültige, einer stilisierten Fackel gleichenden Form. Ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem erhellt den Tower auch in der Nacht.

Aufgaben:

Unsere Hauptaufgaben bestanden in der Einrichtung und Vermessung hochgenauer Festpunktfelder für jedes der 52 Stockwerke, den Initialabsteckungen der Stahlträgerkränze für die Nutzgeschosse, sowie diversen baubegleitenden Absteckungen, Überwachungsmessungen und Präzisionsnivellements.

Ausgehend von einem tachymetrisch beobachteten und ausgeglichenen Hauptfestpunktfeld, welches das Baufeld weitestgehend umspannte, wurden die Absteckarbeiten der Fundamente und unteren Etagen durchgeführt. In den höheren Stockwerken war hingegen eine Absteckung vom Boden aus aufgrund der resultierenden Steilvisuren, Refraktionen und Sichtbehinderungen in der geforderten Genauigkeit nicht mehr möglich. Wir entschieden uns deshalb für die Übertragung des Lagefestpunktfeldes mittels hochgenauer Vertikallaser (maximale Abweichung von +-2 mm auf 100 m Höhenunterschied) in die oberen Stockwerke. Dort wurde dann das Festpunktfeld mittels Tachymeter verdichtet und ausgeglichen, so daß die Initialabsteckungen für die Stahlkonstruktionen direkt vom jeweiligen Stockwerk aus durchgeführt werden konnten.

Die Höhenübertragung erfolgte mittels Vertikalvisuren im Treppenhaus und anschließender Verdichtung in den einzelnen Stockwerken mittels Präzisionsnivellement. Auch hier wurden Genauigkeiten im Millimeterbereich gefordert und erreicht.

Bei den Absteckarbeiten arbeiteten wir eng mit den Spezialisten der italienischen Stahlbaufirma Cimolai zusammen, die mit der Errichtung der Stahlträgerkonstruktion beauftragt wurden. Als Vermesser waren wir verantwortlich für die exakte Justage und Kontrolle aller Stahlträgerelemente. Abweichungen zur Solllage von +-2 mm mussten ermittelt und korrigiert werden.

Da die Hauptträgerkränze sofort nach der Absteckung an die in den Betonkern eingelassenen Stahlplatten angeschweisst wurden, waren nachträgliche Korrekturen i.d.R. nicht mehr möglich. Aus diesem Grund wurden von uns permanente Fernziele am Boden installiert und während der Absteckarbeiten regelmäßig beobachtet. Dadurch konnten wir die Orientierunggenauigkeit der Stationierung während der teils mehrstündigen Absteckungen überwachen und bei Bedarf auch gegenlenken.

Nachdem der Stahlträgerkranz eines Stockwerkes fertiggestellt war, wurde der Betonboden eingebracht, gefolgt von den Absteckarbeiten für die Innenarchitektur. 

Extreme Temperaturen von bis zu 45 Grad im Schatten, starke thermische Winde und der ausgesetzte Arbeitsplatz erforderten von den Ingenieuren immer wieder Mut und Einsatzbereitschaft. Da wir bei den Absteckarbeiten für die Stahlträgerkosntruktion quasi an "vorderster Front" arbeiteten, war es nicht selten, daß wir unseren Theodolit in schwindelerregender Höhe auf einen gerade einmal 30 cm breiten Stahlträger montieren mussten, um die Absteckarbeiten für das darüber liegende Stockwerk realisieren zu können.

Fazit:

Der Sports City Tower war ein nicht nur vermessungstechnisch hochinteressantes und lehrreiches Großprojekt, welches auch aufgrund der zahlreich auf der Baustelle vertretenen Nationalitäten und Kulturen, sowie den vorherrschenden extremen Klimabedingungen eine enorme Erfahrung darstellte.

Karsten Rau, 2007